Das Strafrecht ist einer der spannendsten Teile des Lehrplans im Fach Wirtschaft und Recht in der 10. Klasse. Um die Inhalte aus dem Unterricht einmal außerhalb des Klassenzimmers zu erleben, besuchten die drei 10. Klassen gemeinsam mit ihren Lehrkräften Frau Scharf, Herrn Braun und Herrn Bretzner verschiedene Strafverhandlungen am Amtsgericht Hersbruck. Dabei erhielten die Jugendlichen einen authentischen Einblick in die Arbeit der Justiz und konnten hautnah den Ablauf von Strafprozessen miterleben. Besonders interessant war es für die Schülerinnen und Schüler, die im Unterricht behandelten rechtlichen Grundlagen nun in realen Gerichtsverfahren wiederzuerkennen. Insbesondere die Interaktion zwischen Richterinnen und Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten und die Bedeutung der jeweiligen Rollen im Verfahren wurden somit unmittelbar erlebbar.
Die verhandelten Fälle hätten unterschiedlicher kaum sein können. Sie reichten vom Erschleichen von Leistungen, also dem sogenannten Schwarzfahren, über Körperverletzung, Beleidigung und Verstöße gegen ein Annäherungsverbot im Rahmen eines Ehe- und Sorgerechtstreits bis hin zu Urkundenfälschung in Verbindung mit Wilderei. Eine Klasse verfolgte außerdem einen Fall, in dem Urkundenfälschung, unerlaubte Tierzucht, Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und Betrug zusammentrafen. Besonders eindrucksvoll war für viele Schülerinnen und Schüler aber nicht nur der Inhalt der Verhandlungen, sondern auch die Atmosphäre im Gerichtssaal. So erschien eine Angeklagte erst verspätet zur Verhandlung und entging nur knapp einer polizeilichen Vorführung, nachdem sie ihre Verspätung kurzfristig telefonisch angekündigt hatte. In einem anderen Verfahren wurde eine bereits unter Bewährung stehende Angeklagte wegen ihrer schnellen Rückfälligkeit nun zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, da das Gericht keine positive Sozialprognose mehr sah.
Auch die Verhandlungsführung hinterließ Eindruck. Wenn Angeklagte dem Gericht ins Wort fielen, sich in Widersprüche verwickelten oder keinerlei Einsicht zeigten, fanden die Richterinnen und Richter klare Worte. Schnell wurde den Schülerinnen und Schülern bewusst, dass es den aus Filmen bekannten Richterhammer in deutschen Gerichtssälen gar nicht braucht, um Autorität auszustrahlen. Ebenso spannend waren die Begründungen der Urteile und die Frage, welche Umstände das Gericht strafmildernd beziehungsweise strafverschärfend berücksichtigte. Mindestens genauso interessant wie die Verhandlungen selbst waren die anschließenden Gespräche. Die an den verschiedenen Prozessen beteiligten Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte nahmen sich ausreichend Zeit und beantworteten nicht nur ausführlich die zahlreichen Fragen der Klassen zu den einzelnen Verfahren, sondern berichteten auch aus ihrem Berufsalltag. Sie erzählten von Fällen, die ihnen besonders nahegingen, von ungewöhnlichen Verhandlungen und davon, welche Eigenschaften für ihre tägliche Arbeit besonders wichtig sind.
Die Besuche am Amtsgericht Hersbruck zeigten, wie vielschichtig Strafverfahren tatsächlich sind. Denn hinter den Paragraphen aus dem Unterricht stehen echte Menschen, individuelle Schicksale und Entscheidungen mit weitreichenden Folgen. Den Jugendlichen wurde bewusst, wie gewissenhaft Gerichte Urteile treffen, welche Verantwortung alle Verfahrensbeteiligten tragen und wie sorgfältig jede Entscheidung abgewogen werden muss. Gerade die unmittelbaren Einblicke in die Gerichtsverhandlungen und die offenen Gespräche mit Richterinnen, Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten machten den Besuch zu einer besonderen Erfahrung, die den Unterricht im Fach Wirtschaft und Recht auf eindrucksvolle Weise ergänzte.

